Speakerinterview mit dem Autor Tim Leberecht

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Tim Leberecht ist ein weltweit tätiger Berater und Autor sowie einer der leidenschaftlichsten und scharfsinnigsten Vordenker für einen neuen Humanismus in Wirtschaft und Gesellschaft vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Automatisierung und Künstlicher Intelligenz. Er ist Autor des internationalen Bestsellers „Business-Romantiker: Von der Sehnsucht nach einem anderen Wirtschaftsleben“ (Droemer-Knaur, 2015) und veröffentlicht in Publikationen wie „Harvard Business Review“, „Fast Company“, „Fortune“, „Süddeutsche Zeitung“ und „Wired“.

In unserem Interview sagt Tim Leberecht: „Das Problem ist unser Irrglaube, dass Daten die Basis von besseren Entscheidungen sind. Daten sind auch nur ein Teil der Wirklichkeit.“ Er ist dennoch überzeugt, dass in zehn Jahren KI wie Strom sein wird und unsere Gesellschaft entscheidend prägen wird.

 

Mit welchen Erwartungen kommen Sie auf die AI Masters?
Ich will lernen von den AI Masters.

 

Klären Sie uns auf: Was hat ein Business Romantiker mit künstlicher Intelligenz zu tun?
Der Business Romantiker hat gemischte Gefühle, was KI betrifft. Zum einen sorgt er sich um eine neue Entzauberung durch die unbedingte Algorithmisierung und Automatisierung der Welt, in der nur noch das Wert hat, was datafiziert und programmiert werden kann. Auf der anderen Seite spürt er, dass KI uns vor die spannende Herausforderung stellt, herauszufinden und zu beschützen, was uns Menschen menschlich macht. Darüberhinaus hofft der Business Romantiker, dass KI eventuell eine grössere Spielfläche für uns bieten wird – um mehr Grenzerfahrungen, mehr Welten, Identitäten und Bedeutungen zu haben, und somit romantischere, erfülltere Leben leben zu können. Ohne Romantik würde unser Leben ärmer werden. Die grosse Chance ist, KI zu nutzen, um nicht nur Effizienz zu steigern, sondern unser Leben romantischer zu machen.

 

Tim Leberecht © Beowulf Sheehan www.beowulfsheehan.com
Was ist die größte Herausforderung für Unternehmen im Umgang mit KI?
Ich denke, die größte Herausforderung wird sein, KI gewinn- und sinnbringend in bestehende Unternehmenskulturen einzubetten ohne das Essentielle, den Kern einer Identität und Marke zugefährden. Unternehmen müssen sich überlegen, was ihnen wirklich heilig ist, und in welchen Bereichen sie Tasks an KI delegieren wollen. Zudem wird entscheidend sein, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern auch das emotionale Rüstzeug mitgeben – eine neue sentimentale Erziehung, wenn man so will – um selbstbewusst mit KI kooperien zu können und die neuen, hybriden
Beziehungen, die entstehen werden, managen zu können.

 

Wenn die KI bessere Entscheidungen auf der Basis von Daten trifft – können wir ihr vertrauen oder müssen wir sie kontrollieren?
Das Problem ist unser Irrglaube, dass Daten die Basis von besseren Entscheidungen sind. Daten sind auch nur ein Teil der Wirklichkeit. KI zu kontrollieren wird schwieriger sein, als uns selber so zu erziehen, dass wir grundsätzlich Daten weniger Vertrauen und unseren Emotionen, unserer Intuition mehr Vertrauen schenken. Nur dann werden wir unsere Unabhängigkeit, unsere menschliche Handlungsfähigkeit bewahren können.

 

Hatten Sie ein persönliches Schlüsselerlebnis mit KI?
Darauf warte ich noch immer.

 

Vielleicht ja auf den AI Masters?
Künstliche Intelligenz versus organische Intelligenz – wo stehen wir in zehn Jahren? Wo in 20? In zehn Jahren wird KI wie Strom sein und unsere Gesellschaften sichtbar und unsichtbar entscheidend prägen. Die fünf wertvollsten Firmen der Welt werden AI Firmen sein bzw. dezentralisierte autonome Organisationen. Ein Grossteil unserer alltäglichen und Resourcen-Entscheidungen werden von KI getroffen werden. Die geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Berufe werden eine enorme Aufwertung erfahren. In zwanzig Jahren werden wir weniger arbeiten und mehr Freizeit haben. Purpose Coaches werden gefragt sein und Seelsorger; die Entertainment – und Tourismusbranche werden blühen. Den Begriff und Beruf Marketing wird es nicht mehr geben.

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